Der ORF und die Klima-Uhr
Wie ihr auf den Bildern und dem Video hier im Artikel sehen könnt, war die Aktion am Samstag ein großer Erfolg. Über die Aktion selbst könnt ihr in den verschiedensten Online-Medien lesen:
- ORF.at
- Krone.at
Und natürlich gibt’s auch einen Artikel aus der Sicht der grassroots-Gruppe my.climate-chance, die die Aktion organisiert und durchgeführt hat.
Hier in diesem Artikel könnt ihr lesen, wie ich die Vorbereitungen und die Organisation der Aktion erlebt habe, was sich von dem Event lernen lässt und was mich warum an der TV-Berichterstattung im ORF gestört hat.
Entstehung und Planung der Aktion
Vor weniger als zwei Monaten hatten meine Freundin und Lebensgefährtin Lisa und ich ein längeres Gespräch, dass für die Demonstrationen in Kopenhagen, die überwiegend nächstes Wochenende stattfinden werden, mobilisiert werden müsste. Wir begannen also uns umzuhören und uns mit anderen motivierten Menschen zu vernetzen. Großteils lief die Vernetzung und in Folge auch die Organisation und Bewerbung unserer Klima-Uhr über Facebook und SMS.
Nach kürzester Zeit war eine Gruppe von Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft, mit unterschiedlichsten politischen Ansichten entstanden, von denen nur ein Teil bei Umweltschutzorganisationen aktiv ist. Wir alle gemeinsam waren schnell der Meinung, dass es zu Beginn der Klimakonferenz eine Aktion hier in Österreich geben muss, denn die Politiker_innen müssen sich hier in Österreich für ihre Ergebnisse in Kopenhagen verantworten.
Ein zweiter Punkt, auf den wir uns als wachsende Gruppe recht bald basisdemokratisch einigten war unsere Unabhängigkeit von Organisationen. Wir wollten keine Aktion machen, über die die Presse dann schreiben könnte, dass irgendein Umweltschutzverein seine Agenda vorbrachte, sondern dass sowohl Medien als auch Politik endlich wahrnehmen müssen, dass eine breite Masse an Menschen am Klimaschutz interessiert ist. Dass es einen großen Teil der Bevölkerung sehr wohl interessiert, das Menschen im globalen Süden jetzt schon unter unseren Handlungen leiden oder ob unsere eigenen Kinder auf diesem Planeten auch nur annähernd so leben können, wie wir das tun.
Wir wollten unter anderem vermitteln: Klimaschutz ist ein Gesellschaftsthema, kein "Umweltschutzthema". Leider hat das nicht ganz funktioniert - aber dazu später mehr.
Die Organisation des Events lief über einzelne Arbeitsgruppen, die jeweils an einem Teilaspekt arbeiteten. In wöchentlichen Treffen koordinierten wir die Arbeit der einzelnen AGs untereinander. Außerhalb dieser Treffen waren Facebook, Email und SMS unsere wichtigsten Arbeitswerkzeuge.
Der große Tag
Am 5. Dezember 2009 um 11:55 Uhr war es so weit - oder anders geschrieben, am 5.12 um 5 vor 12:
Mit der Aktion verbanden wir unsere Forderung an die Regierung des europäischen Klimaschutz-Schlusslichts Österreich, dass sie sich in Kopenhagen für eine weltweite Verringerung des Ausstoßes klimaschädigender Gase um mindestens 40 Prozent bis 2020 einsetzt. Diese 40 Prozent einzusparen ist laut Studien absolut machbar. Die Notwendigkeit ist wissenschaftlich begründet. Also ist es nun an der Politik, den einzig richtigen Schritt zu setzen: Ein gerechtes, verbindliches und ausreichendes Klimaabkommen zu beschließen, das frei von Schlupflöchern und Atom-Energie ist.
Sehr gut hat mir auch gefallen, dass einige Redner_innen auf den Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und dem Klimawandel hingewiesen haben.
Der ORF und die bekannten Organisationen
Eine ganze Reihe an Medien berichtete. Ein paar Links zu solchen Berichten findet ihr am Beginn dieses Artikels. Auch die ORF-Sendung "Wien heute" sandte einen Kameramann und brachte die Bilder damit ins Fernsehen!
Ist an sich super erfreulich und zeigt, dass die Aktion nicht nur den Teilnehmenden und etlichen Kommentatorinnen auf der Facebook-Seite von my.climate-chance sehr gut gefallen hat, sondern auch interessant fürs Fernsehen war.
Leider wurde vom ORF die Aktion als "Greenpeace-Aktion" benannt. Dieser "Fehler" vom ORF fiel uns schon vor der Sendung auf, denn auch der Bericht auf orf.at war zunächst in diesem Punkt falsch. Unsere liebe Presseverantwortliche Claudia und ich schrieben jeweils eine Email an die Redaktion, außerdem rief ich an, und wir erklärten den Punkt. Die Redaktion versprach zu prüfen.
Als die Sendung startete bekam ich dann telefonisch die Auskunft, dass es eben eine Presseaußendung von uns gab und auch eine von Greenpeace. Weil sie sich hinter einer grassroots-Gruppe nicht wirklich etwas vorstellen können, "denn irgendwer muss ja die Aktion gemacht haben", haben sie den bekannten Organisationsnamen gewählt - also Greenpeace. Die Auskunft war, wenn es eine Presseaußendung von einer bekannten Organisation zu einer Aktion gibt, dann prüft man da nicht lang, ob die die Aktion auch organisiert haben, sondern nimmt sie einfach als Veranstalterin. Ich hoffe, die Medien gehen nicht generell und nicht bei jeder Absenderin so mit ihrer Sorgfaltspflicht um.
Für eine Änderung in der Sendung sei es sowieso schon zu spät, wurde mir noch mitgeteilt. Heute Vormittag um halb elf bekam ich dann eine Email von der Internetredaktion ("Sehr geehrter Herr Mike! Vielen Dank für Ihren Hinweis, den wir gerne berücksichtigt haben."). Nun geht aus dem Artikel klar hervor, dass die Aktion von vielen einzelnen engagierten Menschen war.
Der Fernsehbericht aber, der sicher deutlich mehr Menschen erreicht hat, ist schon lange falsch gesendet worden - und damit ist die wichtigste Idee, die hinter all unserer Arbeit stand, zerstört worden. Die vielen Menschen, die sich nicht ändern wollen, können sich wieder mal sagen, dass Klimaschutz eh nur die "Ökos" interessiert. Die Wahrheit, die auch durch die Vielfalt der Redner_innen auf der Veranstaltung (von Wissenschaft über politische und kirchliche Personen bis zu Globalisierungskritik) klar wurde, ist, dass es eben viel mehr Menschen gibt als die "Ökos", denen die Zukunft unserer Kinder und dieses Planeten am Herzen liegt.
30 Menschen zum Beispiel, mit denen ich gemeinsam diese Aktion entwickeln, organisieren und erleben durfte. An Euch 30 von mir ein ganz großes Danke!
lessons showed or learned
· Lade die richtigen Blogger_innen zu Deiner Veranstaltung ein und Du wirst schneller als durch die meisten Presse-Vertreter_innen tolles Bildmaterial und erste Berichte im Netz haben
· Mit sehr günstiger Technik ist es bereits möglich, Veranstaltungen von fast jedem Ort direkt ins Internet zu bringen und noch während die Aktion läuft die ersten Fotos an Blogger_innen und Journalist_innen zu versenden
· Die günstigen bis kostenlosen SMS und social networks wie Facebook sind ideale Werkzeuge, mit denen sich Menschen selbst organisieren und z.B. große Aktionen wie diese Klimauhr durchführen können. Here comes everybody!
· Wenn Organisationen Eure grassroots-Aktion mit einer Presseaußendung unterstützen möchten, dann nur eine gemeinsame, von Euch abgenommene Presseerklärung mehrerer Organisationen
· Die Besetzung der Arbeitsgruppen ist entscheidend für deren Ergebnisse
· 7 Wochen können ganz schön kurz sein
DANK
Ich möchte mich auch persönlich bei allen Organisationen und Menschen bedanken, die uns unterstützt haben:
Klaus Werner-Lobo, Josepha Molitor-Ruckenbauer, Alexandra Strickner, Prof. Helga Kromp-Kolb, Kurt Schmidinger, Josef Kreitmayer, die Muslimische Jugend Österreichs, futurefood, Attac, Greenpeace, Global 2000, Klima fair bessern!, Vegane Gesellschaft Österreich, Indy Act, IG Fahrrad, Initiative Zivilgesellschaft
